Geschichte der Kuratie St.Martin, Mörlheim:
800 Merlungheim, 1148 Merlenheim, 1148 bis Ende des 18. Jahrhunderts Propstei von Kloster Eußerthal. 1301 Pfarreikirche St. Martinius bezeugt. Dorf Mörlheim 1350 vom Hochstift Straßburg zur Hälfte als Lehen an Grafen von Zweibrücken, die andere Hälfte gehörte Kloster Klingenmünster. Weltliche Herren: Seit 14. Jahrhundert Kurpfalz, 1680-1815 Frankreich. Ab 1560 kalvinisch, lutherisch, kalvinisch. In Reunionszeit Simultaneum; Seelsorge durch Augustiner von Landau. 1807-1826 Filiale von Offenbach. 1826 Pfarrei Queichheim-Mörlheim, mit Wohnung des Pfarrers bis 1913 im Mörlheim. 1940 Expositur.
Vor 250 Jahren: Zwei Jahrhundertwochen für Mörlheim
Am 8. und 9. September 1754 hatte Weihbischof Johann Adam Buckel in Offenbach die neue St. Josefskirche und ihre Altäre geweiht, Buben und Mädchen gefirmt, das neue Kirchhofskreuz und vier Glocken, darunter zwei für Mörlheim, in den Dienst der Kirche gestellt. Am Fest Kreuzerhöhung, am 14. September, begrüßten ihn in Mörlheim die zu Ehren Mariens und des Indienmissionars Franz Xaver geweihten Glocken. Er gab der neu gebauten St. Martinskirche in Mörlheim und ihrem Azu Ehren des allmächtigen Gottes und der in den Himmel aufgenommenen Jungfrau Maria errichteten Hauptaltar die kirchliche Weihe, firmte am Tage danach 30 Mörlheimer Kinder und weihte die beiden Seitenaltäre. Den Seitenaltar auf der linken Seite weihte Bischof Buckel dem heiligen Josef, den auf der rechten oder Epistelseite dem heiligen Nepomuk. St. Josef, der Nährvater Jesu, war 1753 durch Kurfürst Carl Theodor zum geistlichen Patron der Kurpfalz bestimmt worden. Johannes von Nepomuk, Generalvikar in Prag, war 1393 gefoltert und in der Moldau ertränkt worden. Im Jahre 1729 heilig gesprochen, verbreitete sich sein Ruhm in Europa. In der Diözese Speyer und besonders im früheren Landdekanat Herxheim sollte er von den Geistlichen als Patron in ihrer Aufgabe als Beichtvater gesehen werden. St. Josef und St. Nepomuk schmücken noch heute als Plastiken des 18. Jahrhunderts die Mörlheimer Kirche. Offenbach und Mörlheim hatten sich in der Reformationszeit der neuen Lehre zugewandt. Nach 1560 hatte der pfälzische Kurfürst Friedrich III. die Klöster aufgehoben, darunter auch Eußerthal. Dessen großer Wirtschaftshof in Mörlheim wurde jetzt von einem kurfürstlichen Beamten verwaltet, der zugleich die Aufgaben eines Schultheißen im Dorf übernahm. Im Jahre 1680 hatte der ASonnenkönig@Ludwig XIV. die Herrschaft über das Elsass und das Gebiet südlich der Queich erlangt. AEin König, ein Gesetz und ein Glaube@ war sein Grundsatz. Eine strenge Rekatholisierung in unserem Gebiet folgte. Im Jahre 1685 gab es wieder eine katholische Pfarrei Offenbach, der Mörlheim noch im Jahre 1707 mit seinen 42 Katholiken angehörte. Vier Jahre später hatte die kleine Kirchengemeinde jedoch einen eigenen Pfarrer. Das Kirchengebäude in Mörlheim war ihr schon vorher zugesprochen worden.
1685 war das kurfürstliche Haus Wittelsbach-Simmern ausgestorben. Es hatte den Kalvinismus zur herrschenden Konfession in der Pfalz gemacht. Ihm folgte das katholische Haus Wittelsbach-Neuburg. Dem Mörlheimer Klosterhof stand jetzt ein katholischen Verwalter vor, der die junge Pfarrei in Mörlheim förderte und Katholiken nach Mörlheim holte. Von dem Verwalter Brezigheimer stammt das wertvolle Versehkreuz aus dem Jahre 1711 in der Mörlheimer Kirche. Im Jahre 1716 war Heinrich Wilhelm, Freiherr von und zu Sickingen, ein Nachfahre des Ritters Franz von Sickingen und hoher Beamter am kurfürstlichen Hof in Mannheim, mit einer reichen Pfründe aus den Gütern des ehemaligen Klosters Eußerthal belohnt worden. Im Jahre 1720 verlieh man ihm die Würde eines Dompropstes am Kloster Eußerthal, mit dem Recht, einen Abtsstab und eine Abtsmütze/Mitra zu tragen. Ohne Priester zu sein, wurde er Pfarrherr/Patron der Kirchengemeinden Eußerthal und Mörlheim. Er konnte deren Geistlichen auswählen, hatte aber die Pflicht, die dortigen Kirchengebäude zu unterhalten. Die ruinöse Klosterkirche in Eußerthal ließ er in sieben Jahren auf den heutigen Baubestand bringen. Weihbischof Buckel, von Mörlheim kommend, weihte sie am 16. September 1754 ein.
In Mörlheim hatte v. Sickingen in Jahre 1741 das Pfarrhaus bauen lassen. Am 18 Juni 1748 wurde der Grundstein für eine neue Kirche gelegt. Die alte Kirche war in einem unwürdigen Zustand gewesen. Nach sechs Jahren wurde sie geweiht. Ob Freiherr v. Sickingen am 14. September 1754 dabei sein konnte, ist nicht bekannt. Er starb drei Jahre später. Doch noch heute zeigen die Kirchturmspitzen in Eußerthal und Mörlheim neben dem Kreuz die Krümme eines Abtsstabes und die Mitra, die v. Sickingen tragen durfte und die ihn als Pfarr- und Bauherren ausweisen. Stolz konnten am 19. September 1754 die Mörlheimer Katholiken ihre neue Kirche zeigen. An diesem Tag waren 680 Jungen und Mädchen aus den umliegenden Ortschaften bis nach Klingenmünster nach Mörlheim bestellt worden, wo sie von Weihbischof Buckel gefirmt wurden.
(Egon Ehmer)
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